Zentralbahn-Ausbau: Kostenteiler gibt noch zu reden
Ab 2009 soll die Zentralbahn in Hergiswil erweitert und in Luzern tief gelegt
werden. Noch vor den Sommerferien wollen die Kantone die Detailplanung
beschliessen. Zur Diskussion stehen neue Haltestellen beim Länderpark und in der
Sarner Industrie. Stadt und Kanton Luzern sowie Ob- und Nidwalden wollen viel
Geld in die Zentralbahn investieren. Wie sie sich die Viertelmilliarde teilen,
ist aber noch unklar.
"Wir müssen eine Lösung finden und werden eine finden. Es wäre das falsche
Objekt, um sich in die Haare zu geraten", sagt Hanspeter Schüpfer,
Direktionssekretär der Nidwaldner Volkswirtschaftsdirektion. Den vier Partnern
Ob- und Nidwalden sowie Stadt und Kanton Luzern liegt viel am Ausbau der
Zentralbahn, gemeinsam stehen die Regierungen hinter dem Vorhaben, die
Doppelspur in Hergiswil noch auszubauen und die Zentralbahn in Luzern tiefer zu
legen. Sie haben dies schon vor einigen Jahren in ihre Richtpläne geschrieben.
Aber wie dereinst die Kosten aufgeteilt werden, ist alles andere als klar.
Stadt Luzern ist zuerst
Noch vor den Sommerferien sollen alle vier Parlamente Ja zur Detailplanung sagen
. Als Erstes hat der Stadtrat nun seinen Bericht veröffentlicht. Von den
Projektierungskosten von 2,2 Millionen Franken soll die Stadt 385 000 Franken
übernehmen, je 330 000 Franken die Kantone Ob- und Nidwalden. Der Hauptbrocken
von 1,2 Millionen verbleibt vorerst dem Kanton Luzern. Dieser Verteilschlüssel
ist allerdings provisorisch, die Kosten will man im Anschluss an den Bau nach
dem gleichen Schlüssel wie die Baukosten auf die Partner verteilen.
Bis zu 280 Millionen
Die Gesamtkosten des Vorhabens zwischen Luzern, Stans und Sarnen werden sich
gemäss Schätzungen auf 180 bis 280 Millionen Franken belaufen. Wer soll das
bezahlen? Der Luzerner Stadtrat schreibt dem Parlament: "Noch keine Einigkeit
besteht in der Frage der Kostenverteilung innerhalb des Kantons Luzern."
Baudirektor Kurt Bieder ist zwar guten Mutes, dass man eine Lösung findet, doch
gleichzeitig wehrt er sich vorsorglich: "Wenn nun nach jahrelangem Kampf die
Bahnübergänge auf Stadtgebiet wegfallen, sollten wir nicht dafür bestraft
werden, indem wir viel daran zahlen müssen. Damit wird ja nur ein Normalzustand
hergestellt."
Ohne Bund illusorisch
Er hofft wie alle anderen stark auf den Bund. Ohne dessen Beteiligung - erwartet
werden maximal 50 Prozent oder rund 111 Millionen Franken - wäre das ganze Paket
laut Bieder illusorisch. Der Bund hat in Aussicht gestellt, Gelder aus dem
Infrastrukturfonds für den Agglomerationsverkehr zu geben. Den Rest müssen sich
die vier Partner teilen. Auch Harald Woermann, Verkehrsplaner im Kanton
Obwalden, erachtet die Bundesbeteiligung als wichtige Voraussetzung. Dann werde
man einen Verteiler finden. "Alle wollen das Paket schliesslich." Man habe sich
auch bei der Doppelspur zwischen Horw und Hergiswil geeinigt, sagt der eingangs
zitierte Hanspeter Schüpfer. Das müsse auch hier gelingen.
Ernst Schmid, Gesamtverkehrskoordinator des Kantons Luzern, weiss ebenfalls um
die Schwierigkeit, angesichts des engen zeitlichen Planes das Geld zu sichern.
"Wir müssen die Finanzierungsbeschlüsse aller Partner bis 2008 haben." Man habe
einen provisorischen Kostenverteiler, "aber der ist noch nicht akzeptiert
worden", sagt Schmid.
Vier Volksabstimmungen
Der Stadtrat lässt zum Kostenverteiler nur so viel verlauten: "Der
Verteilschlüssel zwischen den Kantonen ist aufgrund des jeweiligen Interesses
und nachvollziehbarer Kriterien zu bestimmen." Als mögliche Kriterien nennt er
Pendlerströme, Zahl der Kantonseinwohner und Anzahl Haltestellenabfahrten auf
Kantonsgebiet. Klar ist bisher einzig, dass die neuen Haltestellen (siehe
Kasten) durch die Standortkantone und die interessierten Gemeinden finanziert
werden. Und klar ist auch, dass es in allen drei Kantonen und in der Stadt
Volksabstimmungen braucht.
Der Tunnel
1,4 Kilometer unter dem Boden. Der geplante Tunnel für die Zentralbahn wird
unmittelbar nach der heutigen Haltestelle Mattenhof beginnen. Auf der Allmend
wird ein 800 Meter langer Tunnel im Tagbau (man reisst den Boden auf, legt die
Schienen und baut einen Deckel darüber ) erstellt, anschliessend geht es in
einem bergmännischen Tunnel über 600 Meter (hier muss also gebohrt werden) bis
in den Raum Steghof.
Auf der Allmend wird eine unterirdische Haltestelle
gebaut, im Gespräch ist zudem eine Haltestelle beim Steghof. Ob und wo diese
genau hinkommen soll, muss die Detailplanung zeigen.
Schneller und doch nicht
Weil die Zentralbahn künftig nicht mehr am Rand der Allmend entlang via Krienser
Nidfeld fährt, sondern in einem engeren Radius Richtung Bahnhof, kann sie statt
80 neu 110 Stundenkilometer schnell fahren, sagt Luzerns Stadtingenieur Peder
Largiadèr. Wegen der zwei neuen Haltestellen wird die Fahrzeit jedoch wieder
länger. Positiv formuliert heisse das, dass man trotz zwei neuen Haltestellen
einen stabilen Fahrplan anbieten könne, der auch für die Anschlüsse an andere
Züge in Luzern wichtig sei, sagt Largiadèr.